Konzept

Überblick

Die demografische Situation in Walhausen

Von 2005 bis 2015 ist die Zahl der Einwohner Walhausens von 655 auf 578 gesunken.  Für ein kleines Dorf wie Walhausen ist das ein dramatischer Rückgang.
Die Prognose für den Landkreis St. Wendel stellt keine Besserung in Aussicht, wenn keine Maßnahmen zur Gegensteuerung ergriffen werden.
Im Jahr 2002 befand sich die Zahl der unter 20-Jährigen mit der Zahl der über 65-Jährigen im Gleichgewicht.
In den folgenden Jahren ist die Schere allerdings weit auseinandergegangen.
Mittlerweile gibt es 10% weniger junge als alte Menschen und in den kommenden Jahren wird ihre Anzahl um weitere 8% sinken.
Darauf wollen wir mit unserem individuellen Wohn- und Arbeitskonzept reagieren.

Unser Konzept beinhaltet folgende Punkte:

Konzept proWAL

Der Bauernhof

Konzept für den Aufbau des Bauernhofes der Siedlungsgenossenschaft proWAL eG

Beschreibung der Betriebsform:

Die ProWAL-Genossenschaft ist Träger des Landwirtschaftsbetriebes mit einer eindeutigen Gewinnerzielungsabsicht. Der Betrieb wird einen hauptamtlichen Hofleiter in Festanstellung beschäftigen.
Angestrebt werden die Erzeugung von Obst, Gemüse und Kräutern sowie eine Nutztierhaltung von Hühnern, Pferden, Bienen und Ziegen nach den Richtlinien des Ökologischen Landbaus.
Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse werden regional vermarktet. Hauptabnehmer bildet der ProWAL Verein selber ab mit aktuell 70 Mitgliedern (Stand November 2019).
Weitere Vermarktungskanäle sind der Bioland Bioladen in Walhausen und andere regionale Bezugsquellen für Bioprodukte.

Beschreibung der Grundstücksfläche:

Die landwirtschaftliche Fläche befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Schulbauernhof der Freien Waldorfschule Saar-Hunsrück in Walhausen.

Die gesamte Fläche konnte die Kulturland Genossenschaft mit Sitz in Hitzacker am 11.10.2019 kaufen, mit der Absicht einen langfristigen Pachtvertrag mit ProWAL abzuschließen und der Auflage die landwirtschaftliche Nutzung auf ökologischen Landbau umzustellen.
Die anfängliche Pachtdauer beträgt 12 Jahre. Das vereinbarte Pachtverhältnis beginnt am 01. November 2019.
Da die pachtgegenständlichen Grundstücke zum Zeitpunkt des Kaufvertrages noch einem Fremdpachtvertrag mit unterschiedlicher Restlaufzeit unterliegen, beginnt das Pachtverhältnis für das einzeln aufgeführte Grundstück mit dem Auslaufen des Fremdpachtvertrags über die jeweilige Fläche.
Dies ist für die Flurstücke 45 bis 50 der 01. November 2019, für die übrigen Flurstücke der 01. November 2021.

Flächennutzung:

Es stehen dem Betrieb insgesamt 12,1 ha Nutzfläche zur Verfügung. Zur Vereinfachung ist die Gesamtfläche in vier Bereiche unterteilt.
Die interne Bezeichnung der Bereiche ist

  • Gemüsegarten
  • Getreideacker
  • Hangwiese 1 und
  • Hangwiese 2

Die folgende Abbildung zeigt die Lage dieser Teilflächen.

Die Genossenschaft strebt für diese Flächen keine Nutzungsänderung an.

Die beiden Hangwiesen sollen weiterhin als Magerwiese betrieben werden.

Der Getreideacker besteht etwa zur Hälfte aus Magerwiese und Acker. Auch hier soll die Magerwiese weiter so genutzt werden, während auf dem Acker Futterpflanzen für die Nutztiere angebaut werden.
Der Ertrag der Wiesen dient ebenfalls zur Fütterung der Nutztiere.

Die Teilfläche Gemüsegarten steht der Genossenschaft bereits zum 01.November 2019 zur Nutzung zur Verfügung und befindet sich daher im Hauptaugenmerk für die Aufbauphase des Gärtnerhofes. Die geplante Nutzung dieser Fläche wird im folgenden Kapitel gesondert beschrieben.

Beschreibung Gemüsegarten:

Der Gemüsegarten ist das Grundstück mit der größten Nähe sowohl zum vorhandenen Schulbauernhof der freien Waldorfschule als auch zum in Planung befindlichen Bauvorhaben der ProWAL Genossenschaft.
Er ist Hauptanbaufläche der regenerativen Landwirtschaft und unterliegt daher einem besonderen Augenmerk und Schutz.
Hier sollen Obst und Gemüse angebaut werden und Hühner und Bienen gehalten werden.                        
Die Planung sieht vor das gesamte Gelände zum Schutz der Kulturpflanzen und –bäume mit Wildgatterzaun zu Umzäunen. Innerhalb des Zaunes kommt es zur Heckenpflanzung. Eine dreireihige Hecke erfüllt die Funktion des Windschutzes, bietet gleichzeitig Nahrung und Habitat für allerlei Nützlinge und bildet den ersten Baustein der agroforstwirtschaftlichen Betriebsnutzung. Damit ist gemeint, dass die Hecke bereits Anbaufläche von Obst, Beeren und Nüssen bietet.
Eine standortangepasste Verteilung von über 1400 Gehölzen
Sträuchern und Stauden liefert Blüten und Früchte von April bis Dezember während stickstofffixierende Leguminosen die Nährstoffe dafür liefern. Gedüngt wird zusätzlich mit Kompost und Mulchmaterial von der eigenen Betriebsfläche. Innerhalb der Hecke befinden sich die Gemüsebeete, die Obstbäume und Beerensträucher und die Nutztierhaltung.

Eine zentrale Rolle in der Gestaltung der Anbaufläche spielt das Wassermanagement.
Ziel ist es zum einen möglichst viel Regenwasser auf der Grundstückfläche zum Versickern zu bringen und damit für eine ausreichende Sättigung zu sorgen und zum anderen das Auswaschen der Böden und den Verlust von Humus durch Starkregenereignissen zu verhindern.
Zum Erreichen dieser Ziele kommt das „Swales-System“ zum Einsatz. Swales, der englische Begriff für „Bodensenke“, entlang der Höhenlinien sammeln das abfließende Regenwasser und geben ausreichend Zeit für die Versickerung.
In einem kontrollierten Überlauf wird das überschüssige Regenwasser in einem Retentionsbecken gesammelt.
In den Swales sammelt sich neben dem Wasser ebenfalls der mitgetragene Humus, sodass in den Gräben regelmäßig der Humus „geerntet“ werden kann.
Eine Übersicht über die Anordnung der Kulturen, Beete, Swales und allem Weiterem im Gemüsegarten bieten die mitgelieferten Landschaftspläne.
Die Hühnerhaltung geschieht mittels eines mobilen Hühnerstalls.


Mehrgenerationenwohnen

Es wird ein Ort entstehen für junge Familien, Kinder, Jugendliche, Alleinstehende, Menschen mit Einschränkungen und Senioren, an dem in gegenseitiger Achtsamkeit gelebt und gearbeitet wird und man in Würde alt werden kann.

Ein Ort, an dem jeder Einzelne von der ganzen Gemeinschaft unterstützt und getragen wird.


Therapeutikum

Ein Gesundheitszentrum im ländlichen Raum schaffen

Um die ärztliche Grundversorgung der ländlichen Region zu gewährleisten, können Ärzte, Heilpraktiker, Psychologen und Therapeuten Räume im Therapeutikum anmieten.

Dies ist auch nur für einzelne Tage in der Woche möglich.
Zudem werden alternative Therapieformen, wie zum Beispiel Feldenkrais, Klangtherapie und Yoga, von unseren internen Therapeuten dauerhaft angeboten.

Darauf aufbauend kann in ferner Zukunft mit Kindern, Jugendlichen und Flüchtlingen traumatherapeutisch gearbeitet werden.

Bei Bedarf können sie in dieser Zeit in den Gästezimmern wohnen. Nach einem weiteren Ausbau besteht dann die Option einer stationären Unterbringung.


Dienstleistungen für ältere Menschen

Um die älteren Menschen in unserer Umgebung bestmöglich zu unterstützen, bieten wir folgende Dienstleistungen an:
Vollwertiges Mittagessen in unserem Haus ( bei Bedarf mit Abholdienst ), spezielle Angebote der Begegnung und Begleitung zu Einkäufen, Arztbesuchen, sowie kulturellen Angeboten wie Lesungen und Vorträgen.
Dazu wird ein Fahrdienst betrieben.
Abgerundet wird das Angebot mit haushaltsnahen Dienstleistungen wie Haus- und Gartenpflege.

Wir bieten Senioren unter anderem die Mitarbeit in der Gemeinschaftsküche oder auf dem Gärtnerhof an, damit sie sich aktiv einbringen können und auch die Möglichkeit haben, ihre Lebenshaltungskosten zu senken.


Haus der Begegnung

Das Begegnungszentrum soll Raum für gemeinschaftlichen Austausch ermöglichen.
Kultur und Kreativität werden darin gelebt. Jung oder Alt, Walhausener oder Tourist findet hier ein vielfältiges Angebot an wechselnden Veranstaltungen, wie Seminaren, Vorträgen, Workshops, Musik- und Kunstunterricht …
und auch Gäste, die zu einem Kaffee einkehren wollen, sind immer herzlich willkommen.

Ein Verkaufsstand bietet eigens hergestellte Produkte aus dem genossenschaftlichen Gärtnerhof und Handwerkskunst aus der offenen Werkstatt an.

Später soll das Sortiment erweitert werden, bis hin zu einem Dorfladen, der die Versorgung mit den wichtigsten Alltagsprodukten sichert.


Werkstätten

Während der Bauphase wird bereits eine Schreinerei entstehen.

Des Weiteren sollen Möglichkeiten geschaffen werden für die Wiederbelebung vielfältiger dörflicher Handwerksbetriebe, wie Friseur, Schuster, Bäcker, Fahrradwerkstatt etc.

Es wird eine offene Werkstatt geben, in der sich Jeder handwerklich oder künstlerisch betätigen kann.


Bürodienstleistungen & Büroräume

Neben klassischer Vermietung eines Büroraums, wird ein Großraumbüro mit mehreren Schreibtischen angeboten.

Startups, Berufseinsteiger und Existenzgründer mit noch unsicherer Zukunftsperspektive, mieten hier auf monatlicher Basis einzelne Schreibtische an.

So können beispielsweise Studenten des nah gelegenen Umwelt-Campus Birkenfeld oder Schüler der Waldorfschule, ihre Ideen verwirklichen und sich gegenseitig kreativ unterstützen.

Teure Investitionen in Betriebs- und Geschäftsausstattung, als auch langfristige Mietverhältnisse sind für sie somit hinfällig.


Vermietung von Gästezimmern

Urlaubern und Menschen, die sich wünschen die Gemeinschaft kennenzulernen, die einladende Landschaft in einem entschleunigten Umfeld zu erkunden oder an mehrtägigen Seminaren teilnehmen möchten, werden Gästezimmer vermietet.